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Als Schwarzer liebt er Französisch und zieht nach e4 auf e6. Dabei ist Carsten Senf blond.
Schwarz waren hin und wieder seine Figuren, die ihn wie bei den Schach Open zu Hochform auflaufen ließen. Mit einem Spitzenergebnis stimmte sich das Apoldaer Schach-Talent auf die Saison ein.
Der tut doch keiner Fliege etwas zu leide. So wie er bescheiden und kleinlaut auftritt. Der 15-jährige Carsten Senf verspeist höchsten seine Gegner am Schachbrett. Genüsslich, Bauer für Bauer.
Mit zehn Jahren war er das erste Mal in der Stadthalle dabei, seine sechste Teilnahme vor einer Woche rechnete er
mit vier Siegen und drei Niederlagen ab, erreichte unter 217 Mitspielern den 85. Platz.
Den Gratis-Eintritt erkämpfte er sich mit der richtigen Lösung beim TA-Schach-Rätsel. Was ihn auf die Lösung brachte? - Die richtige Idee halt: "Um die Bauern auf dem Damenflügel durchzubringen musste man bloß den Läufer ablenken. Das war der Plan, und der saß und gewann den Hauptpreis.
Nach den Apoldaer Schach Open kann er seinen Gegenübern, die bei Turnieren meistens etliche Jahrzehnte älter sind, zum Smalltalk die Wertzahl von 1628 vor die Nase setzen, fast 50 Punkte mehr als vor dem Apoldaer Turnier.
Das Schachspielen hat er von seinem Nachbarn Erich Hoffmann mit acht Jahren gelernt, einem Ex-Aktiven bei der TSG Apolda. Was ihn an diesem figurbetontem Spiel fasziniert: "Man weiß nie, was man kriegt. Jede Partie ist anders, mal zäh, mal stürmisch."
Carsten Senf aus Schmiedehausen stürmte bereits 2004 auf den 5. Platz bei der Thüringer Meisterschaft.
Denkt er an die Apoldaer Open zurück, ärgert ihn noch immer der vergebene Sieg in der 2. Runde. Einen Bauern hatte er mehr, das muss man sich vorstellen. Dann ließ er seinen Kontrahenten kommen und sich in die Defensive drücken: "Er hat mich überrollt".
Überrollt! Mit einem Punkt aus vier Runden ist er in das Turnier gestartet. Das ist nicht weiter verwunderlich, werden doch den Stärkeren die schwächeren Gegner zugelost. Dafür verließ er die letzten drei Runden alle siegreich die Halle. Doch vor der Taktik war zunächst auch Logistik gefragt.
Carsten übernachtete extra während des Turniers bei Familie Talke in Apolda. Die Fahrzeiten nach Hause wären der Konzentration und Fitness abträglich gewesen.
Weil er abseits des Gymnasienstandortes wohnt, will er auch erst nach der 10. Klasse, die er in der Regelschule Wormstedt angeht, sein Abitur in Angriff nehmen. Mit Einsern in Mathe, Physik, Chemie und Sozialkunde sollte ihm das auch gelingen.
Neben dem Schach interessiert sich der 15-Jährige für Fußball, die WM hat er natürlich verfolgt. Doch das Training gehört dem ältesten Strategie-Spiel der Welt. Zwei Mal in der Woche jeweils zwei Stunden übt er bei der TSG Apolda für die Jugend-Bezirksklasse geübt. Und das nächste Turnier kommt bestimmt. Die Apolda Open sowieso.
André HESS
TA vom 02.09.2006
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